Rudi Klein - Eine Reise um den Zeichentisch

 

Portrait, HD, 27 Minuten, Österreich 2012,
Erstausstrahlung: 24.09.2012, im Rahmen des "Kulturmontag" ab 22:30 Uhr in ORF 2
Ein Film von Joerg Burger, produziert von Witcraft Szenario OG im Auftrag des ORF
 
Inhalt:
Im Zentrum dieser filmischen Annäherung an den Kosmos Rudi Kleins steht eine Zugfahrt zu seiner Ausstellung im Lentos Linz im März 2012. Er erklärt uns seinen Zugang zum Zeichnen: Ich bin weder ein Karikaturist, ein Cartoonist noch ein Comic-Zeichner, Schriftsteller, oder Journalist, sondern irgendwo dazwischen. Das hat den Vorteil, dass einem nicht ganz so schnell fad wird, aber den Nachteil, dass die Leute natürlich damit nichts anfangen können.“ (Rudi Klein). Warum hält er Humor für das richtige Transportmittel seiner Aussagen? „Im Prinzip ist ein Witz dazu da, um uns zu helfen mit einer kaputten Welt fertig zu werden. Oder mit Unheil aller Art.“ (Rudi Klein)
Im Rahmen von Österreichs einzigem Comicfestival Next Comic richtete das Kunstmuseum Lentos in Linz eine Ausstellung mit Rudi Klein aus. Neben einer Einzelausstellung reagierte Rudi Klein „intervenistisch“ auf die Sammlung des Lentos:  Seine comicartigen bzw. cartoonistischen Kommentare ironisierten ein Jahrhundert Kunstschaffen.
Interventionen kann man vergleichen mit... wenn ein kleiner Hund großen Menschen ans Bein pinkelt - mir macht das auch natürlich großen Spaß. In dem Fall, beim Herrn Mühl zum Beispiel, weil der schon relativ ein unappetitliches Kapitel der Kunstgeschichte geschrieben hat, mit ganz witzigen Anfängen, aber dann ins Größenwahnsinnige getappt ist und das war dann nicht mehr lustig“ (Rudi Klein).
Als gern gesehener Stammkunde philosophiert er im Plattenladen mit dem langjährig befreundeten Verkäufer über die „früheren Zeiten“, über Sammelleidenschaften und die Inspirationen von  Cartoonisten: „Bei den Zeichnungen hab ich die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, sehr viel von sich selber herzugeben, das heißt, ich habe sehr viel Privates in meinen Zeichnungen. Da sind alle unglücklichen Lieben irgendwie verarbeitet.“ (Rudi Klein)
Als nächstes Ziel wird der Kleinsch’e Schrebergarten in Floridsdorf anvisiert. Biographische „Fetzen“ mischen sich bei dieser Fahrt mit Ironie und etwas Schwermut.
„Ich bin in Floridsdorf aufgewachsen, hab aber da keine süßlichen Gefühle deshalb und des hat auch dazu geführt, dass ich ein Stück Grund besitze:  Einen ungewollten Schrebergarten, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann, ich fahr nur ab und zu in die Richtung und überleg mirs dann meistens wieder...“ (Rudi Klein)
 
Abends trifft er seinen Freund Fritz Ostermayer im Café Kriemhild hinter der Stadthalle. Im „Kriemhild“ wird geraucht, Bier getrunken und wie immer das Leben, die Liebe und die Kunst besprochen.
„Künstler sind eh Arschlöcher, meine ganze Welteinteilung ist so, es gibt große und kleine Arschlöcher, man bemüht sich halt im Leben, wenn man anständig ist, ein kleines zu sein.“ (Rudi Klein)
 
 
 
Zum Künstler:
Als eine der prägendsten Figuren der Komischen Kunst im deutschen Sprachraum unterhält Rudi Klein (als Ivan, Ruud, Olf, Rhoemheld oder eben Rudi) seit 30 Jahren die Leser­schaft von „Standard“, „Profil“, „Falter“, „Datum“, „AK Für Sie“, „Titanic“, „Süddeutsche Zeitung“, „Die Zeit“, „FAZ“ und etlichen anderen Periodika. Als besondere Auszeichnung empfindet es Klein, wenn Seiten mit seinen Zeichenwitzen aus den Zeitungen und Magazinen herausgerissen und im Klo aufgehängt werden. “Eine Bibliothek der reich bebilderten Verzweiflung“ nannte Klein, ein Kommentator der Absurditäten in Alltag und Politik, einmal seine Zeichnungen. Mit, wie er feststellt, „untauglichen Mitteln“ kämpft er „gegen den Siegeszug von Unterdurchschnittlichkeit, Neoliberalismus und Putenfleisch“.
Die Arbeitsweise Rudi Kleins: das Hinterfragen, das Verdrehen, den anderen Blick, die Abstraktion. Klein nimmt damit der musealen Kunst jenen Pathos, den viele Rezipienten empfinden. Er stellt Fragen nach dem „Warum“ ohne zu belehren ... er gibt als „Aufguss“ jene Brise Humor dazu, die eine kritische Konfrontation lustvoll erscheinen lässt.
 
"Man braucht eine gewisse Bitterkeit,
um dieses Zeug zu tun"(Rudi Klein)
 
 
Zitate über Rudi Klein:
 
Rudi Klein ist der personifizierte schwarze „Wiener Humor“, ein Minimalist – hochliterarisch und formal unverwechselbar.(Günter Mayer alias Peng – Cartoonist )
„Mit klarem Strich und einer überaus reduktionistischen Auffassung von Physiognomie und Mimik bringt er seine Grundeinsicht, ‚wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man zeichnen‘, auf Punkt und Linie.“ (Rezension im Falter)
Geboren in den 50er-Jahren, der Zeit von Dralon und Schmutz- und Schundgesetzen. Schwer verwirrt von der Gnade des siebenten Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts, entwickelt er bald eine revolutionäre Form des Schreibens von üppig umrandeter Kurzprosa. Als nicht praktizierender Jähzorniger kämpft er seitdem mit absolut untauglichen Mitteln gegen den Siegeszug von Unterdurchschnittlichkeit, Neoliberalismus und Putenfleisch. (Czernin Verlag)
"Eine Stalinorgel der schlechten Laune" (Klaus Nüchtern)

Team:
Regie und Kamera:
Joerg Burger
Nach einer Idee von :
Robert Buchschwenter, Günter Mayer, Ursula Wolschlager
Montage und
Zusätzliche Kamera:
Othmar Schmiderer
Ton:
Samuel Irl
Produktionsleitung:
Karin C. Berger
Produzentin:
Ursula Wolschlager
Redaktion:
Beate Thalberg
Leitung:
Franz Grabner
 


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